| «Country bedeutet Freiheit» |
| Das ist Unterwasser: ein Ortsteil der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann, bekannt als Wintersportort und Heimat von «Super-Simi» Simon Ammann. Und seit zehn Jahren Veranstaltungsort des grössten Country Festivals der Ostschweiz. |
«Wollten alles hinschmeissen»«Wir suchten nach Ideen, um unsere Tennishalle besser auszulasten. Da schlug ein Wirt vor, ein Country Festival zu veranstalten», erzählt Beat Frischknecht, OK-Präsident des Country City Toggenburg. Der Verwaltungsrat der Tennis- und Squash-Halle war sofort Feuer und Flamme, denn: «Country passt gut in unsere ländliche Region.» Doch Frischknecht und seine Kollegen mussten zu Beginn Lehrgeld bezahlen. «Wir hatten mit mehr Besuchern und vor allem mehr Pro-Kopf-Konsumation gerechnet. Wir mussten lernen: Country-Fans sind einfache Leute.» So brauchte es vier Jahre, bis das Country City Toggenburg erstmals schwarze Zahlen schrieb. «Manchmal waren wir kurz davor, alles hinzuschmeissen», sagt der 46-Jährige. «Doch als die Leute erfuhren, dass das Country City vor dem Aus steht, gab es massenhaft Reaktionen. Viele fragten uns, ob sie etwas tun könnten, um das Festival zu retten.» Dieser Rückhalt gab den Organisatoren die nötige Motivation, durchzuhalten. Vom Sport zum CountryHeute hat sich das Country City Toggenburg etabliert. 6000 bis 8000 Besucherinnen und Besucher werden am kommenden Wochenende in Unterwasser erwartet. Mit Marco Gottardi steht am Freitag einer der bekanntesten Countrysänger der Schweiz auf der Bühne. Neben der Bühne gibt es einen Markt, ein Kinderdorf, Tipi-Zelte, Lagerfeuer und Musik. Beat Frischknecht – er ist gebürtiger Zürcher – lebt seit 20 Jahren im Obertoggenburg und ist seit dem Bau der Tennishalle deren Geschäftsleiter. Mit Musik hatte er ursprünglich nicht viel am Hut. «Für mich war immer der Sport am wichtigsten», sagt der ausgebildete Sportartikelverkäufer und Tennislehrer. Zum Eventorganisator wurde er «gezwungenermassen». «Als vor zehn Jahren der Tennisboom nachliess, brauchten wir neue Veranstaltungen, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Unser Ziel damals war: Alle Zeltfeste in der Region in unsere Halle zu holen.» Mittlerweile organisieren Frischknecht und seine Verwaltungsratskollegen acht bis zehn Anlässe pro Jahr. Der grösste und erfolgreichste ist nach wie vor Country City Toggenburg. Das erstaunt, zumal Country in der Schweiz nicht so etabliert ist. «Viele kennen die Musikrichtung gar nicht und haben deswegen Vorurteile. Zudem wird die Musik im Radio nur selten gespielt.» Frischknecht macht sich nichts vor: «Country ist eher für Leute ab 30 gemacht.» Eine LebensphilosophieDie Schweizer Country-Szene kann sich dennoch sehen lassen; sie gehört zu den grössten Europas. «Country ist nicht nur Musik. Tipi-Zelte, Gitarre und Lagerfeuer, Cowboy-Hut, friedliches Zusammensein, Wildwest-Feeling – all das gehört zu diesem Stil», sagt Frischknecht. «Für viele bedeutet Country deshalb auch Freiheit.» Dabei nie fehlen darf der Line Dance. Die bekannte Tanzform, bei der in Linien vor- und nebeneinander alleine getanzt wird, erfreut sich wachsender Beliebtheit. «Wir stellen extra zwei Tanzflächen für die Line Dancer bereit, denn sie brauchen Platz.» Beim Country City Toggenburg verschmelzen amerikanische Tradition, Schweizer Brauchtum und eine auf Freiheit fixierte Lebensphilosophie. Oder wie es Frischknecht sagt: «Bei uns wird Country gelebt.» Thomas Ammann |
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